"Die Gruppe Frau Jacobs" belegt einen tollen 2. Platz in Kettwig (09./10.10.2010)
Schon Anfang August bei den Euro-Masters in München und spätestens nach unserem ersten gemeinsamen Start in der "Rakete" planten wir doch wieder mit der Besetzung nach Kettwig zu fahren.
Katja, die sich ja seit geraumer Zeit im Netzwerk verschiedenster Ruderclubs tummelt, hatte mich überzeugt, hier erneut als Renngemeinschaft an den Start zu gehen. Warum auch nicht?
Das Training zuvor hatte uns allen viel Spaß gemacht und die Mannschaft harmonierte hervorragend.
Nach den Norddeutschen Ende September, bei denen unsere beiden Kameradinnen vom RVW im 2x- starteten, sollte endgültig eine Entscheidung fallen.
Katja und ich trainierten eh schon vorher fleißig im 'Fasan' und Ute und und Judith rudern ja schon mehrere Saisons als geschlossene Einheit.
Dann kam das Go von den Beiden und wir meldeten.
Gute Entscheidung, wie sich letztendlich herausstellen sollte.
Ute nahm sich die Woche vorher eine Auszeit auf Helgoland und ich tat selbiges im Oeztal, während Katja und Judith in Hamburg noch einige lockere Einheiten absolvierten, um Bug und Heck aufeinander abzustimmen.
Eigentlich alles perfekt vorbereitet. Doch schon in Ösiland bekam ich auf einmal Halsschmerzen und die Bronchien pfiffen. Ein viraler Infekt, 5 Tage vorher. Scheibenkleister!
Egal. Ich schmiss mir die Medikamente rein, die mir der HNO Arzt verschrieb und hoffte auf rechtzeitige Genesung.
Alle möglichen Ruderer schwärmten mir schon seit Jahren etwas von dieser sagenumwogenen Herbstregatta in Kettwig vor.
Nun wollte ich doch endlich mal mitfahren.
Ich wurde nicht enttäuscht. Irgendwie hat Kettwig etwas. Da denkt man noch auf der Autobahn, es geht in den Pott und dann steht man plötzlich vor dieser wirklich schönen Regattastrecke an einem sonnigen Altweibersommertag im Ruhrtal und genießt die schöne Landschaft.
Unsere souveräne Schlagfrau und Fahrerin Judith hatte sich netterweise um eine Unterbringung im Jugendhaus St. Altfried (ein Bistum, wie sich später herausstellte) unweit der Strecke gekümmert, da die Mehrheit wohl eher unglückliche Erfahrungen mit den Turnhallenübernachtungen hinter sich hatte. Dieses Erlebnis wurde mir somit verwehrt oder vielleicht doch eher erspart ;-)?
Als "Gruppe Frau Jacobs" fanden wir uns im Eingangsbereich auf der wöchentlichen St. Altfried Gästetafel nebst Firmlingsgruppen und Tae-Kwon-Do Jugendgruppen wieder. Nun, vermutlich hörte sich das irgendwie netter an, als Rgm. Polizei Hamburg/RV Wandsbek.
Wir waren jedenfalls angetan von dieser Betitelung und wollten uns umgehend T-Shirts drucken lassen.
Die Leistungsgruppe des ARV Hanseat mit ihrem Jugendtrainer Michael und ein weiterer Ruderclub aus Saarbrücken hatten ebenfalls die 'geistliche' Unterbringung aufgesucht.
Frühes Aufstehen ist nicht meins, war aber nun mal wegen Hänger suchen, Aufriggern, Startnummern holen etc. unabdingbar.
Schwarzer Tee und ein Inhalator verhalfen mir zur Senkrechten.
An der Strecke angekommen sah ich nur noch gelbe Boote, gut gebaute Ruderer, die wild durcheinander ihre Gerätschaft über Kopf trugen oder Skulls an den Steg brachten.
Es war herrlichstes Ruderwetter und die Sonne wärmte unsere vom morgentlichen Frühtau fröstelnden Knochen schnell wieder auf.
Wir waren gut in der Zeit und hatten nach dem Aufriggern noch ausreichend Ruhe, um uns vorher warm zu laufen, die übliche Aufregung in dafür vorgesehene Örtchen zu hinterlassen und Skulls zu holen.
Relativ früh gingen wir aufs Wasser, denn wir mussten ja wenigstens mal vorfühlen, wie es denn nun wieder so läuft zu viert. Lief gut....
Ich fuhr die erste Strecke, 2500m - natürlich etwas zum Argwohn meiner Mannschaft - erstmal nur mit 85% Kraft, um zu testen, ob meine Bronchien nicht schon bei 1500m bersten. Ich wollte einfach vermeiden, bei vollem Einsatz bereits schon dort meine Mannschaft nur noch pantomimisch im Boot begleiten zu müssen.
Unsere coole Schlagfrau Judith und Katja im Bug steuerten uns auf Ideallinie und die letzten Meter fast telepathisch durchs Albano System.
Ute war der 'Pusher' und für die Ansagen der Druckzehner verantwortlich.
Ich sollte das Mittelschiff mit meiner Power komplettieren.
Ab 1250m merkte ich dann auch, dass ich noch ohne Probleme frei durchatmen konnte und ich zog mit meiner Mannschaft voll durch. Wir landeten auf dem 3. Platz, nur 1 Sekunde Rückstand auf den Zweitplazierten aus Bonn. Etwas ärgerlich, aber wir waren mit unserer Fahrt zufrieden und wollten nun Gas geben.
Auf die anschließenden 750m waren wir alle heiss. Ich fühlte mich nun fit und wir gingen voll konzentriert und Adrenalin geladen an den Start.
Wir wurden in unserem Rennen nach einem harten Bug an Bug Rennen zwar Zweite hinter den weit Führenden, jedoch war diesmal das Boot aus Krefeld, das aufgrund der Bahnenaufteilung im anschließenden Rennen startete, wieder besagte 1ne Sekunde schneller.
Also wieder Dritte nach der zweiten Distanz.
Aber der gemeinsame Wille während des Rennens war bei allen spürbar und das gab uns den Kick für den nächsten Tag.
Der danach einsetzende Belastungshusten zog nun diverse besorgte Blicke auf mich, was unsere Gegner vermutlich hoffen ließ ;) Denkste.
Trotz der zwei 3. Plätze waren wir am Ende des ersten Tages insgesamt Zweite von 5 Booten hinter der dominierenden Rgm. RC Süderelbe/RC Ulm mit Schlagfrau und Leistungsruderin Svenja Völkner (Nichte von unserer Iris Völkner).
Elke Hipler, die ehemalige Schlagfrau des Deutschlandachters, hatte ja zuvor bereits mit ihrem Doppelvierer abgemeldet. Wir konnten es verschmerzen :)
Diesen zweiten Platz wollten wir nun unbedingt halten und waren hoch motiviert für die letzten beiden Rennen am nächsten Tag.
Abends kehrten wir in die urige "Stiege" in der wunderschönen Altstadt zum Abendessen ein, um die Renntaktik für die 4000m am nächsten Morgen auszutüfteln.
Die anschließende Rudererparty mit der wirklich guten Liveband war schon klasse, jedoch fehlte zum richtigen Feiern unsere Ute, die tagsüber vermutlich zuviel Sonne abbekommen hatte, und sich nach dem Essen leider ins Bett verabschieden mußte.
Überhaupt traten wir als Mannschaft sehr harmonisch und geschlossen an diesem Wochenende auf. So macht Rudern erst richtig Spaß!
Wir schwangen noch das ein oder andere Tanzbein, grölten diverse Partykracher mit, hatten aber alle ein Ziel vor Augen und verließen somit früh die Veranstaltung. Es war dann zum Schluß auch genug mit Herbert Grönemeyer und MMW 'Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz'. Rock und Metal standen leider nicht auf dem Programm.
Meine Zimmergenossin Katja ertrug erneut tapfer mein nächtliches Gehuste und ich tauchte morgens wieder voller Tatendrang und gewappnet mit meinem Inhalator am Frühstückstisch auf.
Die 4000m flogen wir nur so mit der Rakete und mit ausreichend Vorsprung zum Drittplazierten auf den 2. Platz.
Wir waren richtig gut unterwegs und es ist ein Traum während eines Rennens zu spüren, wie alle Druck in den Endzug legen und das Boot mit jedem Schlag unterm Hintern wegfliegt. Eine Mannschaft, ein Ziel!
Zufrieden saßen wir anschließend mit Ute's Eltern zusammen, die aus Mühlheim angereist waren, und ließen das Rennen Revue passieren. Der zweite Platz war nun schon in greifbarer Nähe. Denn errechnete 15 Sekunden auf die abschließenden 350m wollten wir uns beim besten Willen nicht abnehmen lassen.
Wir wollten wie in allen Rennen unser Bestes geben, wenngleich es natürlich nicht einfach werden würde. Bei 350m müssen diese ca. 40 Schläge hochkonzentriert gefahren werden.
Durch vermutlich unsensibles, psychologisches Fehlverhalten meinerseits vor dem letzten Rennen und durch zuviel Euphorie kamen wir dann leider, wenn auch knapp hintereinander, als Letzte durch's Ziel. Die Stimmung war anschließend dementsprechend getrübt, da uns allen klar war, dass bei dem Rennen mehr drin gewesen wäre.
Die Endergebnisse waren zwar noch nicht an der Tafel angeschlagen, wir errechneten aber, dass es wohl trotz des Faux Pas gereicht haben sollte.
Nach der anschließenden Mannschaftsbesprechung mit deutlichen Worten kamen wir aber letztendlich alle überein, dass es insgesamt ein erfolgreiches und gelungenes Regattawochenende war. Es steckt noch viel Potential in dieser Mannschaft!
Erst am Montag in Hamburg erfuhren wir offizell, dass es zum zweiten Platz hinter der Leistungs-Rgm. RC Süderelbe/RC Ulm gereicht hatte.
Sina Ingber, die bei den Deutschen Sprintmeisterschaften an den Start ging und unser neuer Trainer Helge Heyken belegten ebenfalls gute Plätze in ihren Rennen.
Ich habe definitiv wieder an Erfahrung dazu gelernt und freue mich, Teil einer so harmonischen Mannschaft gewesen zu sein. Gerne wieder.
Danke an meine Mannschaftskameradinnen Katja, Judith und Ute und ein weiterer Dank geht an Nils & Co. vom RVW für den Transport der "Rakete"!
Assi



